Ab dem 12. August 2026 müs­sen Unter­neh­men die Vor­ga­ben der neu­en EU-Ver­­­pa­­ckungs­­­ver­­or­d­­nung (PPWR) beach­ten. Zen­tra­le Anfor­de­run­gen an recy­cling­ge­rech­tes Ver­pa­ckungs­de­sign und Rezy­klat­an­tei­le grei­fen zwar gestaf­felt, doch für Ver­pa­ckungs­ent­wick­ler beginnt die tech­ni­sche Umstel­lung deut­lich frü­her: Wer auf recy­cling­fä­hi­ge Struk­tu­ren umstellt, ver­än­dert das Mate­ri­al – und damit auch des­sen mecha­ni­sches Ver­hal­ten.

War­um Mul­­ti­lay­er-Ver­­­pa­­ckun­­gen schwe­rer zu recy­celn sind und Mono­ma­te­ri­al wich­ti­ger wird

Die PPWR löst die bis­he­ri­ge EU-Ver­­­pa­­ckungs­­rich­t­­li­­nie ab und gilt unmit­tel­bar in allen Mit­glied­staa­ten. Ein Teil der Anfor­de­run­gen greift sofort, wei­te­re fol­gen gestaf­felt bis 2030. Zwei davon prä­gen die Ver­pa­ckungs­bran­che beson­ders: Ver­pa­ckun­gen sol­len recy­cling­fä­hig wer­den, und für neue Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen wer­den Min­dest­an­tei­le an Rezyklat vor­ge­schrie­ben (Mate­ri­al aus dem Altkunststoffkreislauf).

Recy­cling­fä­hig­keit klingt zunächst nach einer ein­deu­ti­gen Anfor­de­rung, bedeu­tet tech­nisch jedoch einen grund­le­gen­den Umbau. Vie­le aktu­el­le fle­xi­ble Hoch­leis­tungs­ver­pa­ckun­gen bestehen aus meh­re­ren hauch­dün­nen Funk­ti­ons­schich­ten, einem soge­nann­ten Lami­nat: eine Schicht sorgt für Stei­fig­keit und ein sau­be­res Druck­bild, eine ande­re für den Schutz vor Sau­er­stoff oder Feuch­tig­keit, eine drit­te lässt sich unter Hit­ze ver­sie­geln. Jede Schicht hat ihre Auf­ga­be, und zusam­men funk­tio­nie­ren sie aus­ge­zeich­net. Nur las­sen die­se sich nach Gebrauch schwer wie­der tren­nen und ver­schie­de­ne Kunst­stof­fe gemein­sam ein­ge­schmol­zen min­dern die Qua­li­tät des Rezy­klats und erschwe­ren eine wei­te­re werk­stoff­li­che Verwertung.

Die gän­gi­ge Ant­wort dar­auf heißt Mono­ma­te­ri­al: Die Ver­pa­ckung wird über­wie­gend aus einer ein­zi­gen Kunst­stoff­fa­mi­lie auf­ge­baut, etwa ver­schie­de­nen Poly­e­thy­­len-Typen. Die­ser Auf­bau kann die Sor­tie­rung und werk­stoff­li­che Ver­wer­tung stark erleich­tern. Der Preis dafür ist aller­dings, dass nun eine Mate­ri­al­fa­mi­lie leis­ten muss, was vor­her auf meh­re­re spe­zia­li­sier­te Schich­ten ver­teilt war.

War­um sich die Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten verändern

Drei Punk­te tau­chen in der Pra­xis immer wie­der auf:

  • Enge­res Sie­gel­fens­ter: Mono­­­ma­­te­ri­al-Struk­­tu­­ren ver­en­gen das Fens­ter zwi­schen Sie­­gel- und Ver­zugs­tem­pe­ra­tur. Sie­­gel­­ba­­cken-Tem­­pe­ra­­tur, Druck und Ver­weil­zeit müs­sen neu ein­ge­stellt wer­den, und der Spiel­raum zwi­schen „noch nicht aus­rei­chend ver­sie­gelt" und „ther­misch geschä­digt" ist klei­ner als vorher.
  • Ver­än­der­te Dicke, Stei­fig­keit und Ver­for­mung: Mono­ma­te­ria­li­en brau­chen ten­den­zi­ell mehr Mate­ri­al für die­sel­be Sta­bi­li­tät. Das merkt man an meh­re­ren Stel­len: Die Wär­me der Sie­gel­ba­cken muss durch mehr Mate­ri­al hin­durch, das Schnei­den auf der Anla­ge wird schwe­rer – und am Ende auch das Auf­rei­ßen durch den Verbraucher.
  • Schwan­kun­gen durch Rezyklat: Wer Post-Con­­su­­mer-Mate­­ri­al ein­setzt, arbei­tet mit einem Roh­stoff, der von Char­ge zu Char­ge vari­ie­ren kann. Eine ein­ma­li­ge Frei­ga­be reicht dann nicht mehr – die Eigen­schaf­ten müs­sen wie­der­holt nach­voll­zieh­bar sein.

Fünf mecha­ni­sche Prüf­grö­ßen für neue Verpackungsstrukturen

Mit einem Tex­tu­re Ana­ly­ser las­sen sich ver­schie­de­ne mecha­ni­sche Eigen­schaf­ten des neu­en Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­als erfassen.

Eigen­schaft Was sie prak­tisch bedeutet Wann sie kri­tisch wird
Sie­gel­naht­fes­tig­keit Wie viel Kraft nötig ist, um eine Sie­gel­naht zu trennen Bei Mate­­ri­al-, Para­­me­­ter- oder Lieferantenwechseln
Durch­stoß­fes­tig­keit Wie gut das Mate­ri­al punk­tu­el­ler Belas­tung stand­hält – Pro­dukt­kan­ten, Sta­pel­druck, Handling Bei dün­ne­ren oder anders auf­ge­bau­ten Foli­en, beson­ders bei stü­cki­gem oder scharf­kan­ti­gem Füllgut
Zug­fes­tig­keit und Dehnung Wie weit sich das Mate­ri­al dehnt, bevor es reißt, und ob es kon­trol­liert oder plötz­lich versagt Bei jedem Struk­tur­wech­sel; ent­schei­det mit dar­über, ob eine Packung im Trans­port hält
Rei­bung Wie das Mate­ri­al über Füh­run­gen, Rol­len und ande­re Lagen gleitet Wenn Foli­en auf bestehen­den Anla­gen lau­fen sol­len – hier zeigt sich, ob eine Umstel­lung pro­duk­ti­ons­taug­lich ist
Öff­nungs­kraft Wie viel Kraft der Ver­brau­cher auf­wen­den muss Bei peel­ba­ren Ver­schlüs­sen, Deckel­fo­li­en und allem, was älte­re Men­schen und Per­so­nen mit ein­ge­schränk­ter Hand­kraft öff­nen sollen

Der ent­schei­den­de Punkt ist bei allen fünf Eigen­schaf­ten der­sel­be: Zwei Foli­en kön­nen iden­tisch aus­se­hen und sich unter Last völ­lig unter­schied­lich ver­hal­ten. Sicht­bar wird das erst, wenn man Kraft und Weg über die Zeit auf­zeich­net – nicht nur den Maxi­mal­wert, son­dern den gan­zen Kur­ven­ver­lauf. Ob eine Sie­gel­naht gleich­mä­ßig auf­zieht oder ruck­ar­tig auf­reißt, steht nicht in der Spit­zen­kraft. Es steht in der Kur­ve.

Ein­drucks­voll lässt sich das in die­sem Video beob­ach­ten: Wäh­rend eine ver­sie­gel­te Kunst­stoff­ver­pa­ckung mit dem Tex­tu­re Ana­ly­ser geöff­net wird, ent­steht par­al­lel dazu die zuge­hö­ri­ge Kraftkurve.

Mess­da­ten von der Mate­ri­al­ent­wick­lung bis zur Serienkontrolle

In der Mate­ri­al­ent­wick­lung ermög­li­chen objek­ti­ve Mess­da­ten eine belast­ba­re Bewer­tung neu­er Ver­pa­ckungs­struk­tu­ren. Meh­re­re Vari­an­ten las­sen sich unter defi­nier­ten und repro­du­zier­ba­ren Prüf­be­din­gun­gen mit­ein­an­der ver­glei­chen – bei­spiels­wei­se bei iden­ti­scher Prüf­ge­schwin­dig­keit, Pro­ben­geo­me­trie und Aus­wer­tungs­me­tho­de. So ent­ste­hen quan­ti­fi­zier­ba­re Kenn­wer­te, anhand derer sich Unter­schie­de in Fes­tig­keit, Ver­for­mungs­ver­hal­ten oder Öff­nungs­kraft ein­deu­tig bewer­ten lassen.

Das hilft auch dort, wo es unbe­quem wird: Wenn eine recy­cling­fä­hi­ge Alter­na­ti­ve die Anfor­de­run­gen nicht erfüllt, sieht man es im Labor statt in der Reklamation.

Schwan­ken­des Rezyklat ist für die Qua­li­täts­si­che­rung relevant

Sobald eine neue Struk­tur frei­ge­ge­ben ist, ver­schiebt sich die Auf­ga­be. Dann geht es nicht mehr um den Ver­gleich von Vari­an­ten, son­dern um die Fra­ge, ob die lau­fen­de Pro­duk­ti­on dem ent­spricht, was ein­mal frei­ge­ge­ben wur­de. Bei schwan­ken­den Rezy­klat­an­tei­len ist das kei­ne Form­sa­che. Die­sel­ben Prü­fun­gen, die in der Ent­wick­lung die Ent­schei­dung stüt­zen, lie­fern spä­ter die Refe­renz­wer­te für die Serienkontrolle.

Mess­wer­te lie­fern tech­ni­sche Dokumentation

Die PPWR erhöht die Anfor­de­run­gen an die tech­ni­sche Doku­men­ta­ti­on von Ver­pa­ckun­gen. Mecha­ni­sche Prüf­ergeb­nis­se kön­nen dabei bele­gen, dass eine ver­än­der­te Ver­pa­ckungs­struk­tur die fest­ge­leg­ten funk­tio­na­len Anfor­de­run­gen erfüllt. Sie wei­sen nicht die Recy­cling­fä­hig­keit selbst nach, doku­men­tie­ren aber rele­van­te mecha­ni­sche Eigenschaften.

Wer heu­te anfängt, mecha­ni­sche Kenn­wer­te sys­te­ma­tisch zu erfas­sen, hat spä­ter eine Daten­ba­sis statt einer Rekonstruktion.

Ver­pa­ckungs­prü­fung mit dem Tex­tu­re Ana­ly­ser: der nächs­te Schritt

WINO­PAL ist exklu­si­ver Ver­triebs­part­ner von Sta­ble Micro Sys­tems in Deutsch­land. Mit pas­sen­den Prüf­auf­bau­ten für den Tex­tu­re Ana­ly­ser las­sen sich mecha­ni­sche Ver­än­de­run­gen neu­er Ver­pa­ckungs­struk­tu­ren repro­du­zier­bar ver­glei­chen – von der Sie­­gel­­naht- und Durch­stoß­prü­fung bis zur Bewer­tung von Zug­ver­hal­ten, Rei­bung und Öff­nungs­kraft. Wel­cher Prüf­auf­bau und wel­che Mess­me­tho­de für Ihre Anwen­dung geeig­net sind, hängt vom Mate­ri­al, der Ver­pa­ckungs­kon­struk­ti­on und der kon­kre­ten Fra­ge­stel­lung ab. Wir bera­ten Sie gerne!

Sie bewer­ten gera­de eine neue Ver­pa­ckungs­struk­tur und sind unsi­cher, wie sich das prü­fen lässt? Spre­chen Sie uns ger­ne an.
In vie­len Fäl­len kann vor­ab eine ori­en­tie­ren­de Test­mes­sung mit Ihrem eige­nen Mate­ri­al ver­ein­bart wer­den. So lässt sich ein­schät­zen, wel­che Mess­me­tho­de geeig­net ist und wel­che Aus­sa­ge­kraft sie für Ihre kon­kre­te Anwen­dung bietet.

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