Jedes neue Pro­dukt aus alter­na­ti­ven Pro­te­inen steht vor einer Grund­satz­fra­ge: Soll es Fleisch imi­tie­ren – oder ein eige­nes sen­so­ri­sches Pro­fil entwickeln?

Die­se Fra­ge betrifft nicht nur Pro­dukt­ent­wick­lung und Mar­ke­ting. Sie bestimmt auch, wor­an Qua­li­tät gemes­sen wird.

Die Erwar­tung ent­steht vor dem ers­ten Bissen

Ver­brau­cher bewer­ten ein Pro­dukt nicht ohne Kon­text. Eine Erwar­tung ent­steht schon durch den Pro­dukt­na­men, Ver­pa­ckung, Optik und Posi­tio­nie­rung. Ein Pro­dukt, das als „pflanz­li­cher Bur­ger" oder „Hähn­chen­­schni­t­­zel-Alter­na­­ti­­ve" ange­bo­ten wird, akti­viert kon­kre­te Erwar­tun­gen an Biss, Saf­tig­keit und Faserigkeit.

Wer „Flei­scher­satz“ sagt, gibt ein sen­so­ri­sches Ver­spre­chen ab. Ent­schei­dend ist des­halb nicht nur die Fra­ge „Schmeckt das Pro­dukt?" Son­dern vor allem: „Erfüllt das Pro­dukt die Erwar­tung, die es selbst auslöst?"

War­um pflanz­li­che Fleisch­al­ter­na­ti­ven nicht immer fleisch­ähn­lich sein müssen

Die NEC­­TAR-Stu­­die „Tas­te of the Indus­try 2025" lie­fert einen wich­ti­gen Hin­weis. In Blind­tests mit 122 pflanz­li­chen Fleisch­pro­duk­ten und 2.684 omni­vo­ren Kon­su­men­ten zeig­te sich: Nur 28 Pro­zent der Teil­neh­men­den bewer­te­ten füh­ren­de pflanz­li­che Pro­duk­te als ähn­lich oder sehr ähn­lich zum tie­ri­schen Vergleichsprodukt.

Gleich­zei­tig war die Anzahl der als schmack­haft bewer­te­ten Pro­duk­te höher als die Anzahl der Pro­duk­te, die als fleisch­ähn­lich ein­ge­stuft wurden.

Die­se Daten spre­chen also gegen die Annah­me, dass exak­te Fleisch­imi­ta­ti­on immer das obers­te Ent­wick­lungs­ziel sein muss. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob ein Pro­dukt ein über­zeu­gen­des sen­so­ri­sches Erleb­nis bie­tet und ob die­ses Erleb­nis zum Pro­dukt­ver­spre­chen passt.

Zwei mög­li­che Pro­dukt­stra­te­gien für alter­na­ti­ve Proteine

Weg 1: Flei­scher­satz mit Fleisch-Ziel­­pro­­fil entwickeln

Wenn ein Pro­dukt als direk­te Alter­na­ti­ve zu Bur­gern, Nug­gets oder Brat­wurst auf­tritt, ist der Ver­gleich mit Fleisch kaum zu ver­mei­den. Das sen­so­ri­sche Ziel ist ein Fleisch-Ben­ch­­mark-Pro­­fil. Dabei geht es nicht nur um Geschmack, son­dern ins­be­son­de­re die Tex­tur spielt eine zen­tra­le Rol­le: Biss, Saf­tig­keits­ein­druck, Fase­rig­keit, Elas­ti­zi­tät, Zart­heit und Schnitt­ver­hal­ten prä­gen das Pro­dukt­er­leb­nis maßgeblich.

Die Indus­trie kommt die­sem Ziel durch moder­ne tech­no­lo­gi­sche Ansät­ze wie Extru­si­ons­ver­fah­ren, Pro­te­in­tex­tu­rie­rung, Fer­men­ta­ti­on und hybri­den Rezep­tur­an­sät­zen bereits in vie­len Berei­chen näher. Wie anspruchs­voll die Annä­he­rung ist, hängt jedoch stark von der Pro­dukt­ka­te­go­rie ab.

In der NEC­­TAR-Aus­­­wer­­tung wur­den etwa unpa­nier­te Hähn­chen­brust­fi­lets, Bur­ger und Chi­cken Nug­gets als Kate­go­rien genannt, in denen füh­ren­de pflanz­li­che Pro­duk­te bereits ver­gleichs­wei­se nah an tie­ri­sche Bench­marks her­an­ka­men. Bacon, Steak Filet und Brat­wurst hin­ge­gen zei­gen noch erkenn­ba­ren Innovationsbedarf.

Für die Qua­li­täts­si­che­rung lau­tet die zen­tra­le Fra­ge in die­sem Fall daher: Wie nah kommt das Pro­dukt an den defi­nier­ten Fleisch­bench­mark heran?

Weg 2: Alter­na­ti­ve Pro­te­ine mit eige­nem sen­so­ri­schem Profil

Gera­de bei Snacks, Bowl-Kom­­po­­nen­­ten, Auf­stri­chen, fer­men­tier­ten Pro­duk­ten oder Con­­ve­­ni­ence-Anwen­­dun­­gen kann ein eigen­stän­di­ges sen­so­ri­sches Pro­fil sinn­vol­ler sein. Es geht also nicht nur dar­um: „Ist es sen­so­risch so wie Fleisch?" Son­dern: „Ist das Pro­dukt­er­leb­nis ange­nehm, pas­send und wie­der­erkenn­bar?"

Ein pflanz­li­cher Auf­strich muss nicht Fleisch imi­tie­ren, son­dern cre­mig, streich­fä­hig und sta­bil sein. Eine Bowl-Kom­­po­­nen­­te kann Biss und Struk­tur lie­fern, ohne eine Fleisch­re­fe­renz erfül­len zu müs­sen. Ein Snack­pro­dukt kann über Knusp­rig­keit, Wür­zung oder ein eigen­stän­di­ges Kau­er­leb­nis überzeugen.

Das Pro­dukt­ver­spre­chen ist in die­sem Fall frei­er, aber gleich­zei­tig wird die Ent­wick­lungs­auf­ga­be anspruchs­vol­ler: Weil die Refe­renz fehlt, muss das Ent­wick­lungs­team selbst defi­nie­ren, was "gut" bedeu­tet, z.B. über Test­pa­nels, Ver­brau­cher­be­fra­gun­gen, Wie­der­ho­lungs­tests. Das eigen­stän­di­ge Pro­fil ent­steht nicht durch den Ver­gleich mit Fleisch, son­dern durch bewuss­te sen­so­ri­sche Ent­schei­dun­gen.

Instru­men­tel­le Sen­so­rik: Von der Wahr­neh­mung zur Qualitätssicherung

Bei­de Stra­te­gien füh­ren zur glei­chen Her­aus­for­de­rung: Sen­so­ri­sche Ein­drü­cke las­sen sich in Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on nur umständ­lich kon­trol­lie­ren. "Ange­nehm biss­fest" ist kein Qua­li­täts­kri­te­ri­um, son­dern eine Beschreibung.

Der Aus­gangs­punkt bleibt die mensch­li­che Wahr­neh­mung. Men­schen bewer­ten, wel­che Pro­be ange­neh­mer, zu tro­cken, zu weich, zu brö­se­lig, zu kleb­rig oder bes­ser aus­ba­lan­ciert ist. Damit die­se Bewer­tung für Pro­dukt­ent­wick­lung und Qua­li­täts­si­che­rung nutz­bar wird, muss sie in objek­ti­ve Mess­wer­te über­setzt werden.

Erst wenn die­ser Ein­druck in einen defi­nier­ten Mess­kor­ri­dor (kon­kre­te Kraft­wer­te, Kur­ven­ver­läu­fe, Ziel­be­reich mit Tole­ranz) über­setzt wird, lässt sich repro­du­zier­bar prü­fen, ob ein Pro­dukt dem ent­spricht, was es sein soll.

Ver­fah­ren wie Tex­tur­mes­sung, Ober­flä­chen­ana­ly­se oder Geruchs- und Geschmacks­ana­ly­se hel­fen dabei, sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mun­gen in kon­kre­te Daten­punk­te zu über­set­zen. Die­se Daten kön­nen anschlie­ßend mit dem fest­ge­leg­ten Ziel­pro­fil ver­gli­chen werden.

So las­sen sich Ent­wick­lungs­stän­de doku­men­tie­ren, Rezep­tur­an­pas­sun­gen objek­tiv bewer­ten und Pro­duk­ti­ons­schwan­kun­gen früh­zei­tig erken­nen. Für alter­na­ti­ve Pro­te­ine ist das beson­ders rele­vant, weil Roh­stof­fe, Her­stel­lungs­ver­fah­ren und Ver­brau­cher­war­tun­gen noch deut­lich stär­ker in Bewe­gung sind als bei eta­blier­ten Produktkategorien

Sen­so­ri­sches Ziel­pro­fil als Grund­la­ge für Pro­dukt­ent­wick­lung und Qualitätssicherung

Ob Fleisch­bench­mark oder eigen­stän­di­ges Pro­dukt­pro­fil: Ent­schei­dend ist nicht, dass jedes alter­na­ti­ve Pro­te­in­pro­dukt mög­lichst fleisch­ähn­lich ist. Ent­schei­dend ist, dass jedes Pro­dukt ein kla­res sen­so­ri­sches Ziel hat.

Die­ses Ziel­pro­fil muss zum Pro­dukt­ver­spre­chen pas­sen, durch mensch­li­che Bewer­tung nach­voll­zieh­bar abge­lei­tet wer­den und so über­setzt sein, dass es in Ent­wick­lung, Labor und Pro­duk­ti­on über­prüf­bar wird.

Instru­men­tel­le Sen­so­rik ver­bin­det das, was Men­schen wahr­neh­men, mit dem, was im Labor mess­bar und in der Pro­duk­ti­on kon­trol­lier­bar ist. So wird aus einem sen­so­ri­schen Ein­druck ein belast­ba­res Qualitätskriterium.

WINO­PAL beglei­tet die­sen Pro­zess mit Mess­tech­nik, Anwen­dungs­er­fah­rung und metho­di­scher Bera­tung. Ob Fleisch­bench­mark oder eigen­stän­di­ges Pro­dukt­pro­fil: Qua­li­tät soll­te nicht nur beschrie­ben, son­dern repro­du­zier­bar geprüft wer­den kön­nen.

Sie ent­wi­ckeln alter­na­ti­ve Proteinprodukte?
Spre­chen Sie uns an! Gemein­sam ent­wi­ckeln wir aus sen­so­ri­schen Ein­drü­cken mess­ba­re Ziel­pro­fi­le für Pro­dukt­ent­wick­lung und Qualitätssicherung

Rele­van­te Produkte:

  • Das Flagg­schiff unter den Tex­tu­re Ana­ly­sern von Sta­ble Micro Sys­tems ist eine fle­xi­ble und zuver­läs­si­ge Uni­ver­sal­prüf­ma­schi­ne für den Labor­tisch. Sie über­zeugt durch ihre Viel­sei­tig­keit, Prä­zi­si­on und die naht­lo­se Inte­gra­ti­on exter­ner Sys­te­me für umfas­sen­de Analyseanwendungen.