„Tro­cken."

Kaum ein ande­rer Vor­wurf haf­tet pflanz­li­chen Pat­ties so hart­nä­ckig an – egal, wie weit sich Rezep­tu­ren und Ver­ar­bei­tungs­tech­nik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­wi­ckelt haben. Eine aktu­el­le Stu­die der Uni­ver­si­ty of Sou­thern Den­mark [1] bestä­tigt die­se Wahr­neh­mung: Über den gesam­ten Kau­vor­gang hin­weg domi­nier­ten bei pflanz­li­chen Pat­ties die Attri­bu­te „tro­cken" und „krü­me­lig", wäh­rend Rin­d­f­leisch-Pat­­ties als deut­lich saf­ti­ger, fes­ter und fet­ti­ger bewer­tet wurden.

Für die Kauf­ent­schei­dung ist das kein Neben­aspekt: Saf­tig­keit zählt in Kon­su­men­ten­stu­di­en regel­mä­ßig zu den wich­tigs­ten Kri­te­ri­en für Akzep­tanz und erneu­ten Kauf.

Der nahe­lie­gen­de Ansatz vie­ler Ent­wick­lungs­teams ist nor­ma­ler­wei­se: mehr Was­ser oder mehr Fett in die Rezep­tur. Doch damit lässt sich das eigent­li­che Pro­blem oft nicht lösen. Denn Zusam­men­set­zung und wahr­ge­nom­me­ne Saf­tig­keit sind nicht das­sel­be. In der däni­schen Stu­die ent­hiel­ten sämt­li­che Pro­ben, auch die tie­ri­sche Refe­renz, rund zwölf Pro­zent Fett. Die bewer­te­te Saf­tig­keit unter­schied sich den­noch deutlich.

Was­ser­ge­halt ist nicht gleich Saftigkeit

Ein Pat­ty kann rech­ne­risch viel Was­ser ent­hal­ten und trotz­dem tro­cken schme­cken. Ent­schei­dend ist nicht nur, wie viel Was­ser in der Matrix vor­han­den ist, son­dern wie viel davon beim Kau­en wie­der frei­ge­setzt wird.

Lebens­mit­tel­wis­sen­schaft­lich wird des­halb zwi­schen gebun­de­nem Was­ser, das fest in der Pro­te­in­struk­tur ein­ge­la­gert bleibt, und frei­setz­ba­rem Was­ser unter­schie­den, wel­ches unter mecha­ni­scher Belas­tung – also beim Kau­en – aus der Matrix aus­tritt. Erst Letz­te­res trägt unmit­tel­bar zum Ein­druck „saf­tig" bei.

Wie sta­bil eine Matrix ihr Was­ser unter Druck hält, wird in der Fach­li­te­ra­tur häu­fig als Was­ser­bin­dungs­ka­pa­zi­tät bezeich­net. In der Pra­xis führt das zu dem beschrie­be­nen schein­ba­ren Wider­spruch: Zwei Pat­ties mit iden­ti­schem Was­ser­ge­halt in der Rezep­tur kön­nen am Gau­men völ­lig unter­schied­lich wahr­ge­nom­men wer­den – je nach­dem, wie fest das Was­ser in der Pro­te­in­struk­tur gebun­den ist. Wer aus­schließ­lich auf die Rezep­tur­zu­sam­men­set­zung schaut, opti­miert des­halb mög­li­cher­wei­se am eigent­li­chen Pro­blem vorbei.

Wie stark die­ser Effekt aus­fal­len kann, zeigt die däni­sche Stu­die an zwei Vari­an­ten aus der­sel­ben Rezep­tur­ba­sis, die sich ledig­lich im Emul­ga­tor­an­teil unter­schie­den. Bei der Saf­tig­keit lagen sie an ent­ge­gen­ge­setz­ten Enden der Bewer­tungs­ska­la. Die Erklä­rung der Stu­die: Ein zu stark sta­bi­li­sier­tes Fett-Was­­ser-Sys­­tem hält die Flüs­sig­keit so fest, dass sie beim Kau­en nicht mehr recht­zei­tig frei wird.

Was beim Kau­en pas­siert: Die Rol­le der Serumfreisetzung

Saf­tig­keit ist damit weni­ger eine sta­ti­sche Rezep­tur­ei­gen­schaft als viel­mehr ein mecha­ni­scher Vor­gang: Beim Kau­en wird die Matrix durch die Zäh­ne kom­pri­miert. Dabei wird ein Teil der ent­hal­te­nen Flüs­sig­keit – in der Fach­spra­che als Serum bezeich­net – aus der Matrix herausgepresst.

Wie viel davon frei­ge­setzt wird, hängt maß­geb­lich von der Pro­te­in­struk­tur und der Fett­ver­tei­lung ab. Eine dich­te, wenig durch­läs­si­ge Matrix kann Was­ser zurück­hal­ten, selbst wenn grund­sätz­lich aus­rei­chend davon vor­han­den ist.

Und wel­chen Ein­fluss hat dabei der Fett­an­teil? Fett wirkt dabei anders, als man ver­mu­ten könn­te: Eine Stu­die der Wagen­in­gen Uni­ver­si­ty & Rese­arch [2] konn­te zei­gen, dass ein höhe­rer Fett­an­teil vor allem den Ein­druck „fet­tig“ ver­stärkt, wäh­rend der Ein­fluss auf die wahr­ge­nom­me­ne Saf­tig­keit deut­lich gerin­ger aus­fällt. Ent­schei­dend war statt­des­sen mehr die Men­ge an Flüs­sig­keit, die sich unter Druck aus der Pro­be lös­te. Saf­tig und fet­tig sind zwei ver­schie­de­ne Sin­nes­ein­drü­cke – und las­sen sich ent­spre­chend über unter­schied­li­che Stell­schrau­ben beeinflussen.

Neben der Men­ge der frei­ge­setz­ten Flüs­sig­keit spielt auch der zeit­li­che Ver­lauf eine wich­ti­ge Rol­le. Der Saf­tig­keits­ein­druck ent­steht früh im Kau­vor­gang und lässt danach wie­der nach. Bei den pflanz­li­chen Pro­ben zer­fiel die Struk­tur schnel­ler als beim tie­ri­schen Ver­gleichs­pro­dukt. Das Zeit­fens­ter, in dem Saf­tig­keit über­haupt wahr­ge­nom­men wur­de, war ent­spre­chend kür­zer. Rele­vant ist daher nicht nur, wie viel Flüs­sig­keit frei­ge­setzt wird, son­dern auch, wann dies geschieht und wie lan­ge die Frei­set­zung anhält.

Wie sich Saf­tig­keit objek­tiv mes­sen lässt

Genau die­se zeit­li­che Kom­po­nen­te lässt sich mit einem Kom­pres­si­ons­test objek­tiv abbil­den: Eine Pro­be wird unter defi­nier­ten Bedin­gun­gen zusam­men­ge­drückt, wäh­rend Kraft und Weg kon­ti­nu­ier­lich auf­ge­zeich­net wer­den. Der Kur­ven­ver­lauf zeigt, wel­chen Wider­stand die Matrix der Ver­for­mung ent­ge­gen­setzt. Wird zusätz­lich die dabei aus­tre­ten­de Flüs­sig­keit erfasst, lässt sich auch die Serum­frei­set­zung beziffern.

Die Wagen­­in­­gen-Grup­­pe hat für bei­des den Tex­tu­re Ana­ly­ser von Sta­ble Micro Sys­tems ein­ge­setzt. Här­te und Zähig­keit stamm­ten dort aus der­sel­ben Mes­sung wie die frei­ge­setz­te Flüs­sig­keits­men­ge – und die Mess­wer­te deck­ten sich mit der sen­so­ri­schen Bewer­tung durch 75 Test­per­so­nen. Objek­ti­ve Mess­wer­te und mensch­li­che Wahr­neh­mung ver­lie­fen hier nach­weis­lich parallel.

Die Mes­sung ist repro­du­zier­bar und unab­hän­gig von der Tages­form ein­zel­ner Prüf­per­so­nen. Ergeb­nis­se ver­schie­de­ner Char­gen oder Rezep­tur­va­ri­an­ten las­sen sich direkt mit­ein­an­der ver­glei­chen – ein wesent­li­cher Vor­teil gegen­über rein sen­so­ri­schen Bewertungen.

Sen­so­rik bleibt den­noch unver­zicht­bar. Sie ist jedoch sub­jek­ti­ver, auf­wen­di­ger und nur ein­ge­schränkt repro­du­zier­bar. Ein Tex­tu­re Ana­ly­ser ersetzt ein geschul­tes Panel daher nicht, son­dern ergänzt des­sen Wahr­neh­mung um objek­ti­ve und ver­gleich­ba­re Mess­wer­te.

Was Tex­tur­ana­ly­se für die Pro­dukt­ent­wick­lung bedeutet

Für Pro­dukt­ent­wick­lung und Qua­li­täts­si­che­rung ent­steht dar­aus vor allem ein objek­ti­ver Ver­gleichs­wert. Ände­run­gen an Fett­ver­tei­lung, Bin­de­mit­tel­sys­tem oder Pro­zess­pa­ra­me­tern las­sen sich damit nicht nur sen­so­risch bewer­ten, son­dern auch mess­tech­nisch nach­voll­zie­hen – Char­ge für Char­ge, Ite­ra­ti­on für Ite­ra­ti­on. Weil sich Fes­tig­keit und Flüs­sig­keits­frei­set­zung im sel­ben Test erfas­sen las­sen, sieht man direkt, ob eine Rezep­tur­än­de­rung die Saf­tig­keit auf Kos­ten des Bis­ses erkauft hat.

Ist der Ziel­kor­ri­dor ein­mal defi­niert, lässt er sich als Prüf­kri­te­ri­um in die lau­fen­de Pro­duk­ti­on über­neh­men. Char­gen­schwan­kun­gen bei Roh­stof­fen oder Pro­zess­pa­ra­me­tern zei­gen sich dann als Abwei­chung vom Kor­ri­dor – mess­bar, doku­men­tier­bar und unab­hän­gig vom Ein­druck ein­zel­ner Prüf­per­so­nen.

Die pas­sen­de Prüf­me­tho­de für pflanz­li­che Fleischalternativen

WINO­PAL unter­stützt Ent­­wick­­lungs- und Qua­li­täts­si­che­rungs­teams dabei, geeig­ne­te Prüf­me­tho­den, Prüf­geo­me­trien und Tex­­­tu­­re-Ana­­ly­­ser-Kon­­­fi­­gu­ra­­tio­­nen für kon­kre­te Pro­dukt­fra­ge­stel­lun­gen auszuwählen.

Ob und wie sich Saf­tig­keit in Ihrer Rezep­tur mess­tech­nisch abbil­den lässt, klä­ren wir ger­ne in einem unver­bind­li­chen Gespräch.

Quel­len:

[1] Rune, C. J. B., Mar­ques, A. M. L., Clau­sen, M. P., Gia­ca­lo­ne, D. (2026): Unpack­ing jui­ci­ness in plant-based meat alter­na­ti­ves: a tem­po­ral sen­so­ry inves­ti­ga­ti­on of tex­tu­re during masti­ca­ti­on. Food Qua­li­ty and Pre­fe­rence, 144, 105986. https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2026.105986

[2] Zhang, Y., Mtiu­lish­vi­li, L., Sala, G., Schol­ten, E., Stie­ger, M. (2026): Jui­ci­ness of plant-based meat ana­lo­gues is dri­ven by serum release rather than serum com­po­si­ti­on and vis­co­si­ty. Food Hydro­col­lo­ids, 172, 111950. https://doi.org/10.1016/j.foodhyd.2025.111950

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